Hymne (fem.)
Preis-, Lob- und Festgesang,
oft religiösen Inhalts. Hymnen, in allen (Hoch-)Kulturen als feierliche
Gesänge zum Lob (eines) Gottes verbreitet, finden sich in
der altägyptischen Literatur ebenso wie im Alten Testament
(Psalmendichtung), im antiken Griechenland (eine Hymne auf Dionysos heißt
Dithyrambus, eine Hymne auf Apollon Päan) und Rom (Horaz,
Carmen saeculare) und im Christentum der Ost- und Westkirche.
Als
literarische Gattung emanzipiert sich die Hymne vom Bereich der Liturgie in
Humanismus und Barock. Als Träger starker Affekte, Medium des
(rauschhaften) Preisens und der verzückten Erhebung entdecken
Empfindsamkeit (Klopstock) und Sturm und Drang (Goethe, Wanderers
Sturmlied, Prometheus) die Hymne neu. Die Autoren bevorzugen dabei
zumeist freie Verse. Wie bei der Ode soll durch
Inversion, hohen Stil und assoziative
Verknüpfung der Teile der Eindruck emotionaler Spannung erhöht
werden. Die Hymne eignet sich wie auch die Ode vorzüglich
zum Lobpreis Gottes und der Götter, von realen Personen, Umständen
und Örtlichkeiten (s. Bsp.) und zur dichterischen Erkundung von
personifizierten Idealen (z. B. Freiheit). Bedeutende Hymnendichtung stammt u.
a. von Novalis (Hymnen an die Nacht), Hölderlin, Trakl und
George.
(Bsp. 1:) Ludwig Strauß
Hymne an
Asien
Kunde will ich ziehn
Aus Zions Gebirge,
Dicht an seine
Höhlen
Halt ich das Ohr;
Wie wer in die Muschel horcht
Nach
Meeres Stimme,
Lausch ich in sie hinein
Nach dem Laut deiner
Völker,
Breiteste an Ländern,
An Bergen du höchste,
Aber tief ins Tiefste
Öffnend deine Tale,
Asien, mächtige
du
Mütterlicher Weisheit! . . .