Ode (fem.)
In der deutschen Literatur seit
Klopstock eine zumeist reimlose, feierliche, emphatisch- enthusiastische
Dichtung, deren Strophenform vielfach auf antike,
meist 4-zeilige Strophen-Vorbilder zurückgeht (Bsp.: alkäische Strophe). Wie bei der Hymne soll durch Inversion,
hohen Stil und assoziative Verknüpfung der Teile der Eindruck emotionaler
Spannung erhöht werden. Die Ode eignet sich wie auch die Hymne
vorzüglich zum Lobpreis Gottes und der Götter, von realen
Personen, Umständen und Örtlichkeiten und zur dichterischen Erkundung
von personifizierten Idealen (z. B. Freiheit).
Im antiken Griechenland wird
alle strophische Dichtung als Ode bezeichnet, die zur Musikbegleitung
vorgetragen wird, entweder von Einzelnen oder von einem Chor. Die bedeutendsten
Werke der Chorlyrik stammen von Pindar; die Dreiteiligkeit der chorischen Ode
(1. Ode, 2. Antode [Gegenstrophe], 3. Epode [Abgesang]) und die inhaltliche und
formale Komplexität der Oden Pindars wirken bis in die Neuzeit
(Hölderlin). Die verschiedenen Strophenformen des Einzelgesangs (Monodie),
wie sie von Sappho, Anakreon u. a. griechischen Lyrikern verwendet werden,
finden sich wieder in den bis weit ins 20. Jh. nachwirkenden Oden des
Römers Horaz.
In der deutschen Literatur des 17. und frühen 18.
Jh.s (z. B. bei den sogenannten Anakreontikern) ist der Begriff Ode oft auch
gleichbedeutend mit Lied; Vorbild dieser leichten, gereimten Oden
sind vielfach die Oden des griechischen Lyrikers Anakreon und seiner sich wein-
und liebestrunken gebenden Nachahmer (s. Bsp.).
(Bsp.:)
Friedrich von Hagedorn
Der Wunsch
Du holder Gott der
süßsten Lust auf Erden,
Der schönsten
Göttin schöner Sohn!
Komm, lehre mich die Kunst, geliebt zu
werden;
Die leichte Kunst zu lieben weiß ich schon.
Komm ebenfalls und bilde Phyllis Lachen,
Cythere! gib
ihr Unterricht;
Denn Phyllis weiß die Kunst, verliebt zu machen;
Die leichte Kunst zu lieben weiß sie nicht.