Reim (mask.)
Gleichklang von Wörtern
ab dem letzten betonten Vokal, seit dem 17. Jh. (Opitz) bezeichnet das Wort
Reim den Endreim, also den Reim am Ende einer Verszeile.
Im
Reimschema wird die (End-)Reimfolge meist durch Kleinbuchstaben
schematisch dargestellt. Die häufigsten Reimschemata in der
deutschen Lyrik sind:
Kreuzreim (abab . . .),
(Bsp.:) Joseph von Eichendorff
Frühe
Im Osten
grauts, der Nebel fällt,
Wer weiß, wie bald sichs
rühret!
Doch schwer im Schlaf noch ruht die Welt,
Von allem nichts
verspüret.
Paarreim (aabb . . .),
(Bsp.:)
Johann Wolfgang Goethe
Mignon
Kennst du das Land, wo
die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Gold-Orangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der
Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.
Schweifreim (aabccb . . .),
(Bsp.:) Oskar
Loerke
Die Sonne, schräg vom schwarzen Berg zerschnitten,
Licht meiner Sinnwelt auch, von Welt inmitten
Gespalten, halb verfinstert,
bald bezwungen
In Felsen und Erden übergegangen:
Heute
benetzt sie die Schläfen nur noch den langen
Reglosen Tannen der
Niederungen.
Umarmender Reim (abba . . .),
(Bsp.:) Jakob van Hoddis
Dem Bürger fliegt vom spitzen
Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker
stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten liest man
steigt die Flut.
Verschränkter Reim (abc[d]
abc[d] . . .),
(Bsp.:) Friedrich Rückert
Wozu, o
Mond, mit deinem Strahlenschimmer
Hat dich ein Gott in Lüften
aufgehangen,
Als daß die Lieb in deinem Licht soll wallen?
Die
Liebe wallt in deinem Lichte nimmer,
Der Docht in deiner Lamp ist
ausgegangen,
Und deine Scherben laß vom Himmel fallen.
Als männlichen bzw. stumpfen Reim bezeichnet man den
1- silbigen, mit Hebung endenden Reim, als weiblichen
bzw. klingenden Reim den 2-silbigen, mit Senkung
endenden.
Durch seine Stellung innerhalb einer Verszeile definiert ist der
Binnenreim (Bsp.: »Sie blüht und glüht und leuchtet«,
Heinrich Heine); durch die Besonderheit der reimenden Elemente zeichnen sich
aus: Alliteration und Assonanz.
Der unreine Reim, auch
Halbreim genannt, weist nur unvollkommene Übereinstimmung auf zwischen den
Vokalen oder Konsonanten in den Reimsilben (Bsp.:
»flieht« »blüht«, »Menschen«
»Wünschen«); mancher scheinbar unreine Reim ist in der
Mundart des Verfassers rein (Bsp.: »Ach neige / Du
Schmerzensreiche«, Johann Wolfgang Goethe).
Der
Augenreim ist, anders als der lediglich orthographisch unreine Reim
(Bsp.: »Geld« »Welt«), im Schriftbild rein,
nicht aber in der Aussprache (Bsp.: »Loge«
»Woge«).