Rhetorik (fem.)
Redekunst, als lehr- und lernbarer Gegenstand entwickelt sich die Redekunst seit dem 5. Jh. v. Chr. Die Kenntnis der Rhetorik dient stets der Überredung der Zuhörer, sei es vor Gericht, bei Festen oder zu politischen Zwecken.
Zu den Punkten, die der Redner bei der Ausarbeitung seiner Rede zu beachten hat, gehören: 1. die inventio, das Finden von Stoff und Thema, 2. die dispositio, die Auswahl und Anordnung der Gedanken und Formulierungen, 3. die elocutio, die passende Formulierung der in der inventio gefundenen Gedanken; wichtig sind dabei der ornatus (= Redeschmuck) und der Stil (genus sublime: hoher Stil, der durch Pathos und Redeschmuck v. a. bewegen soll; genus medium: mittlerer Stil, der in seiner Unauffälligkeit v. a. erfreuen soll; genus humile: schmuckloser niederer Stil, der durch Einfachheit und Deutlichkeit v. a. belehren und beweisen soll), 4. die memoria, das Auswendiglernen der Rede, 5. die pronuntiatio, der Vortrag.
Das Interesse der Rhetorik an der gesprochenen Rede verlagert sich seit dem Ende der Antike auf die schriftliche Literatur, v. a. auf die Dichtkunst. Vom 16. bis ins 18. Jh. ist die Rhetorik wesentlicher Bestandteil der Poetiken, so wird u. a. die Einteilung in 3 Stilarten auf die einzelnen Gattungen übertragen, das sangbare Lied z. B. ist fest mit dem mittleren Stil verbunden.
Die heutige Rhetorik, welche rhetorische Mittel und ihre historische Verwendung wertneutral beschreibt und systematisiert, hat ihre Wurzeln in der Mitte des 18. Jh.s, als die Regeln der Rhetorik – u. a. unter dem Einfluss der Genie-Ästhetik des Sturm und Drang – ihre Verbindlichkeit einzubüßen begannen.

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