| Titel: | Kinder von den Sternen (frz. "Les petits garçons naissent aussi des étoiles") | |
| Autor: | Emmanuel B. Dongala | ![]() |
| Vorgestellt von: | Elke Rottler, literature.de | |
| Kontakt: | Elke.Rottler@literature.de | |
| Emmanuel Dongala schildert hier in seinem
dritten Roman die politische, wirtschaftliche und soziale Situation seine
Landes, des Kongo-Brazaville, auf eine ganz besondere Art und Weise,
nämlich aus der Sicht eines 15-jährigen Jungen, Matapari.
Matapari ist ein außergewöhnlicher Junge, bereits seine Geburt kündigt dies an. Am 15.August 1980, dem 20. Feiertag der Unabhängigkeit des Kongo-Brazaville, zwei Tage nach der Geburt seiner Zwillingsbrüder, möchte er nun das Licht der Welt erblicken. Diese spektakuläre Geburt erregt allerlei Aufsehen und Verwunderung. Aber Matapari unterscheidet sich von seinen Zwillingsbrüdern nicht nur durch seine verspätete Geburt, sondern durch sein ganzes Wesen. Er sitzt nicht gebannt vor den neuesten Terminator- oder Alian-Filmen - nein, er ist stets dabei, seinen unstillbaren Wissensdurst zu stillen. Wir Leser profitieren davon. Die komplexe, so undurchschaubare und manchmal so unverständliche Entwicklung dieses kleinen Landes Äquatorialafrikas wird uns mit einfachen Worten dargelegt - so, wie es Mataparis Onkel Boula Boula dem Jungen erzählt hat und so wie er selbst die Ereignisse seiner Zeit beobachtet. Dabei handelt es sich nicht nur um politische Ereignisse, sondern auch um ganz alltägliche. Dongala zeigt uns, dass Matapari sich von einem Jungen aus einem westlichen Land gar nicht so sehr unterscheidet; er trägt Jeans und Reebock-Turnschuhe und trinkt Coca Cola, er entdeckt Sexualität und Liebe,... Diese Verknüpfung der persönlichen Geschichte Mataparis und seiner Familie mit der politischen Entwicklung des Kongo macht diesen Roman zu einem ganz besonders ergreifenden Werk. Emmanuel Dongalas Werk mit dem französischen Titel " Les petits garçons naissent aussi des étoiles " (1998, Le Serpent à plume) hat in Frankreich einen reißenden Absatz erlebt - das Buch ist derzeit auf Französisch vergriffen; im Sommer soll es in Frankreich bereits als " Editions de poche " (Taschenbuch) erscheinen. Die deutsche Übersetzung von Sigrid Groß ist im Peter Hammer Verlag erschienen - eine sehr gelungene Übersetzung. Derzeit befindet sich Emmanuel Dongala auf Lesereise durch Deutschland. Am 3.Juli war er zu Gast im Zeitungscafé in Nürnberg. Der 1941 geborene Kongolese, der 1998 unter den schrecklichen Wirren des Bürgerkriegs sein Land verlassen hat und heute in New York als Professor der Chemie sowie der zeitgenössischen afrikanischen Literatur tätig ist, überzeugt durch sein natürliches Wesen und seine herzliche und offene Ausstrahlung. Er schafft es durch seine Persönlichkeit und seine Literatur, uns sein Land nicht nur unter dem Aspekt der politischen Unruhen, der Hungersnot und des menschlichen Elends zu zeigen, sondern er gibt uns auch andere Einblick in das Leben der Menschen Zentralafrikas. Als Dongala in einer Nürnberger Schulklasse zu Gast war und ihm die Schüler in Bezug auf Afrika nur negative Begriffe wie Hungersnot, Elend, Krieg, etc. entgegenwarfen, so entgegnete er Ihnen, dass es in Afrika auch Menschen gibt, die leben, die sich begegnen, die sich lieben, die heiraten und Kinder bekommen, die singen, tanzen und lachen... Nichtsdestotrotz kann und will auch Dongala nicht verbergen, dass er derzeit ziemlich pessimistisch bezüglich der Zukunft seines Landes gestimmt ist. Zwei Generationen sind unter einem diktatorischen System aufgewachsen; ihnen wurde alles andere als Demokratie vorgelebt - wie sollen diese Menschen von heute auf morgen fähig sein, Demokratie richtig zu leben? Aber auch Dongala hofft, dass es sein Land schafft und dass er eines Tages wieder ohne Angst um sein Leben und das seiner Familie zurückkehren kann. FAZIT: ergreifend! |
| (c) Elke Rottler, literature.de |
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